Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
270
Kategorie
Ursprungsland
Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Sprache
Deutsch
Jahr
2005
Spieldauer
134 min
Drehbuch
Larry McMurty;
Diana Ossana;
Kamera
Rodrigo Prieto
Musik
Gustavo Santaolalla
Preise / Auszeichnungen
Produzent* / Produzentin*
Diana Ossana;
James Schamus;
Regie
Ang Lee
Schauspieler* / Schauspielerin*
Jake Gyllenhaal (Jack Twist);
Michelle Williams (Alma);
Graham Beckel (L. D. Newsome);
Scott Michael Campbell (Monroe);
Linda Cardellini (Cassie);
Anna Faris (Lashawn Malone);
David Harbour (Randall Malone);
Kate Mara (Alma Jr.);
Roberta Maxwell (Jack's Mutter);
Peter McRobbie (John Twist);
Randy Quaid (Joe Aguirre);
Synchronsprecher* / Synchronsprecherin*
Anna Grisebach (Alma Beers del Mar);
Simon Jäger (Ennis del Mar);
Regine Albrecht (Mrs. Twist);
Friedrich Georg Beckhaus (John Twist);
Gundi Eberhard (Lashawn Malone);
Carola Ewert (Cassie Cartwright);
Luise Helm (Alma del Mar, jr.);
Roland Hemmo (L.D. Newsome);
Bianca Krahl (Lureen Newsome);
Frank-Otto Schenk (Joe Aguirre);
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
15.11.2015
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
08.04.2020
Archiviertes Format
Stichworte
#2005 #Äußeres Coming-out #BiErasure #Bisexualität #Bisexuelle Lebensmodelle #Bury your gays #Coming-out #Cowboy #Diskriminierung #Heteronormativität #Homophobie / Homofeindlichkeit #Inneres Coming-out #Männer #Minoritätenstreß #Outing-Fear #Selbstfindung #VorurteileBrokeback Mountain

In den frühen 60er Jahren verdingen sich der Ranch-Gehilfe Ennis Del Mär (Heath Ledger) und der texanische Rodeo-Cowboy Jack Twist (Jake Gyllenhaal) den Sommer als Schafhüter für einen reichen Rancher. In der weiten Einsamkeit der Berge von Wyoming kommen sich die beiden näher, als es die Konvention der Zeit gestatten, und können auch dann nicht voneinander lassen, als jeder für sich versucht, als Ehemann mit Familie glücklich zu werden. Vielleicht bedarf es der fremden Perspektive, aber niemand mit der möglichen Ausnahme des Briten Sam Mondes analysiert amerikanische Befindlichkeiten im Augenblick treffender und anrührender als der Taiwanese Ang Lee ("Der Eissturm"). Nach dem Goldenen Löwen und dem Golden Globe ist für den Regisseur nun auch der Oscar sicher.
Brokeback Mountain ist ein Filmdrama von Ang Lee aus dem Jahr 2005 über die langjährige, emotionale und intime Beziehung zwischen zwei Cowboys, Ennis Del Mar und Jack Twist. Die beiden lernen sich 1963 bei einem Sommerjob im abgelegenen Brokeback Mountain in Wyoming kennen. In der Einsamkeit entwickelt sich aus anfänglicher Kameradschaft eine tiefe Bindung, die körperlich und emotional über diesen Sommer hinausreicht. Obwohl beide Männer später Frauen heiraten und Familien gründen, bleibt ihre Verbindung bestehen und beeinflusst ihre Leben über mehr als zwei Jahrzehnte. Der Film schildert die wiederkehrenden Treffen, die innere Zerrissenheit der Figuren und die sozialen Zwänge, denen sie ausgesetzt sind, bis hin zu tragischen Ereignissen im weiteren Verlauf ihres Lebens.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Brokeback Mountain ist im Bi(-/+)Archiv relevant, weil er nicht”‘heterosexuelle Begehren sichtbar macht und traditionelle Identitätskategorien infrage stellt. Die zentrale Beziehung zwischen Ennis und Jack wird im Film nicht als bloßes Nebenmotiv gezeigt, sondern bildet den erzählerischen Kern über Jahrzehnte hinweg. Die Figuren heiraten zwar Frauen und führen in diesen heterosexuellen Beziehungen ”normgerechte“ Leben, aber ihre gegenseitige Zuneigung und körperliche Intimität bleibt dauerhaft wirksam und wird nicht auf ein einmaliges Ereignis reduziert.
Zudem wird die Einordnung der Sexualität der Protagonisten in der Fachwelt und im Diskurs kontrovers diskutiert. Einige Kommentatoren und Forscher sehen beide Männer als bisexuell im Sinne situativer oder nicht ausschließender Orientierung, da sie sowohl heterosexuelle Beziehungen als auch dauerhafte gleichgeschlechtliche Anziehung erleben. Diese Mehrdimensionalität macht den Film für Bi”‘ und Multisexuellen”‘Kontexte besonders anschlußfähig.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Brokeback Mountain gilt als einer der international bekanntesten queeren Filme des 21. Jahrhunderts. Er brach 2005 das western”‘ und macho”‘Genre auf, indem er die emotionale und sexuelle Beziehung zweier Männer in den Mittelpunkt stellte und sie über Jahrzehnte erzählte. Diese Dauerperspektive unterscheidet ihn von vielen früheren Darstellungen gleichgeschlechtlicher Liebe, die häufig auf ein kurzes Coming”‘Out”‘Moment oder auf episodische Begegnungen beschränkt waren.
Aus Bi”‘ bzw. Multisexueller Perspektive ist der Film interessant, weil die Figuren nicht eindeutig als ”schwul“ oder ”hetero“ etikettiert werden. Sie leben in heterosexuellen Strukturen (Ehe, Kinder, sozialer Status), erleben aber gleichzeitig anhaltende gleichgeschlechtliche Anziehung und intime Begegnungen. Diese narrative Ambivalenz eröffnet einen Reflexionsraum über die Grenzen binärer Orientierungsbegriffe: Die Figuren lassen sich nicht ohne Weiteres in einen festen Orientierungscode pressen.
Der Film wurde kontrovers rezipiert. Einerseits gilt er als bedeutender Beitrag zur Sichtbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen im Mainstream”‘Kino und wurde vielfach preisgekrönt. Andererseits wird kritisiert, dass er die Beziehung zwischen Ennis Del Mar und Jack Twist als tragisch darstellt, geprägt von sozialem Druck, innerer Zerrissenheit und persönlichen Einschränkungen. Diese narrative Entscheidung steht im Kontext eines bekannten Musters der queeren Repräsentation, das als Bury Your Gays-Trope bezeichnet wird: Queere Figuren erleben häufig kein glückliches Ende, und ihre Beziehungen enden überproportional oft mit Tod oder Tragik, während heterosexuelle Figuren im gleichen Werk meist überleben oder glückliche Abschlüsse finden[1]. In diesem Sinne illustriert Brokeback Mountain sowohl die gesellschaftlichen Hürden für gleichgeschlechtliche Beziehungen der Zeit als auch die wiederkehrende Tendenz in Medienerzählungen, queere Liebe mit Tragik zu verknüpfen.
Schließlich ist Brokeback Mountain ein Beispiel dafür, wie ein Film gesellschaftliche Diskussionen über Sexualität, Identität und Normativität anstoßen kann, selbst wenn er die Figuren nicht sprachlich oder explizit in Identitätskategorien verortet. Dies macht ihn archivisch nicht nur als Filmkunstwerk, sondern auch als Beobachtungsgegenstand für die Repräsentation sexueller Ambivalenz und für Diskurse über Bi”‘ und Multisexualität relevant.
Fußnoten / Einzelnachweise
letzte Bearbeitung: 25.06.2026
