Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
275
Originaltitel
Head in the Clouds
Kategorie
Ursprungsland
Kanada
Sprache
Deutsch, Englisch
Jahr
2004
Spieldauer
117 min
Darsteller* / Darstellerin*
Penélope Cruz (Mia);
Charlize Theron (Gilda Bessé);
Stuart Townsend (Guy);
Steven Berkoff (Charles Bessé);
Gabriel Hogan (Julian Elsworth);
Thomas Kretschmann (Franz Bietich);
David La Haye (Lucien);
Karine Vanasse (Lisette);
Drehbuch
John Duigan
Kamera
Paul Sarossy
Musik
Terry Frewer
Produktion
Michael Cowan;
Bertil Ohlsson;
Jonathan Olsberg;
Jason Piette;
Maxime Rémillard;
André Rouleau;
Regie
John Duigan
Schnitt / Montage
Dominique Fortin
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
02.11.2017
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
28.04.2020
Archiviertes Format
Stichworte
#2004 #Ambivalenz #Beziehung #Dreiecksbeziehung #Eifersucht #Europa #Faschismus #Krieg #Polyamory #sexuelle Fluidität #WiderstandDie Spiele der Frauen (Head in the Clouds)

Ein Filmdrama von John Duigan aus dem Jahr 2004. Oscar®-Preisträgerin Charlize Theron, Shooting-Star Penelope Cruz und der charmante Herzensbrecher Stuart Townsend in einem packenden Liebesdreieck! 1933, als am Himmel Europas bereits dunkle Wolken aufziehen, verführt die flatterhafte, aber unwiderstehliche Gilda (Charlize Theron) den schüchternen Guy (Stuart Townsend). Unterschiedlicher können ein Mann und eine Frau kaum sein, trotzdem - oder gerade deshalb - entflammt zwischen ihnen eine leidenschaftliche Liebe, die allen gesellschaftlichen Regeln trotzt. Im von Lebenslust und knisternder Kreativität geprägten Paris der Dreißiger bilden Gilda und Guy gemeinsam mit der rassigen Mia (Penelope Cruz) eine Ménage à trois, bis der Spanische Bürgerkrieg den sinnlichen Zeiten ein jähes Ende setzt. Jahre später sehen sich Gilda und Guy im besetzten Paris wieder - Guy als Agent des britischen Secret Service, Gilda als Geliebte eines deutschen Offiziers (Thomas Kretschmann)...
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Im Zentrum steht eine stabile, über Jahre hinweg bestehende Dreierkonstellation (Gilda, Guy, Mia), in der emotionale und sexuelle Bindungen nicht eindeutig paarförmig organisiert sind. Die Beziehungen verlaufen nicht nach dem Muster „eine Person – ein Objekt“, sondern überlappen sich. Diese Struktur bildet ein Beispiel für nicht-monosexuelle Beziehungsformen, in denen mehrere Bindungen gleichzeitig bestehen können, ohne sich gegenseitig vollständig auszuschließen.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Der Film Die Spiele der Frauen von John Duigan entfaltet seine Handlung vor dem Hintergrund der politischen und moralischen Spannungen Europas zwischen den 1930er- und 1940er-Jahren. Die Erzählung verbindet individuelle Biografien mit den tektonischen Verschiebungen einer Epoche, in der private Entscheidungen unweigerlich in den Sog historischer Gewalt geraten.
Im Zentrum steht weniger eine lineare Handlung als vielmehr die Untersuchung der Frage, wie sich intime Bindungen unter Bedingungen politischer Radikalisierung verändern, deformieren oder auflösen. Liebe, Freundschaft und Loyalität erscheinen dabei nicht als stabile Kategorien, sondern als Kräfte, die von Geschichte überformt werden.
Figurenkonstellation und Ausgangspunkt
Die narrative Struktur ist auf drei Figuren konzentriert: Gilda Bessé (Charlize Theron), Guy Malyon (Stuart Townsend) und Mia (Penelope Cruz). Ihre Beziehung bildet ein geschlossenes, aber instabiles Dreieck, das sich über Jahre hinweg entfaltet und immer wieder neu konfiguriert.
Gilda tritt als eine Figur auf, die sich konsequent der vollständigen Einordnung entzieht. Sie bewegt sich zwischen politischer Provokation, künstlerischer Selbstinszenierung und emotionaler Unverbindlichkeit. Guy hingegen verkörpert eine Form von moralischer und emotionaler Kontinuität, die jedoch gerade dadurch verletzlich wird, da sie auf Stabilität in einer instabilen Welt setzt. Mia steht zwischen beiden Polen und wird zunehmend zu einer Figur, in der sich politische Erfahrung und persönliche Abhängigkeit überlagern.
Liebe als asymmetrische Ordnung
Die Beziehungen zwischen den drei Figuren sind nicht symmetrisch organisiert. Vielmehr entsteht ein Gefüge, in dem Begehren, Loyalität und Abhängigkeit ungleich verteilt sind. Gilda bildet dabei den emotionalen und symbolischen Mittelpunkt eines Systems, das sie zugleich destabilisiert.
Diese Konstellation verweigert eine klare Auflösung in klassische romantische Kategorien. Liebe erscheint nicht als gegenseitige Bestätigung, sondern als Spannungsfeld, in dem Nähe stets mit Verlust gekoppelt ist. Das Dreieck ist damit weniger ein Beziehungsmodell als eine Form der Unruhe, die sich nicht schließen läßt.
Politische Welt und persönliche Verstrickung
Die Handlung ist tief in die politischen Umbrüche der Zeit eingebettet: Spanischer Bürgerkrieg, aufkommender Faschismus in Europa, Zweiter Weltkrieg und die Besetzung Frankreichs bilden den historischen Rahmen, der nicht dekorativ bleibt, sondern die Biografien strukturell durchdringt.
Gilda wird zunehmend in politische und journalistische Kontexte hineingezogen. Ihre Tätigkeit als Fotografin und ihr Kontakt zu Widerstandsbewegungen führen sie in direkte Nähe zur Gewalt der Geschichte. Die politische Dimension ist dabei nicht äußerlich, sondern wirkt als eine Kraft, die die innere Ordnung der Figuren systematisch auflöst.
Verschiebung der Beziehungen unter historischem Druck
Mit der Eskalation des Krieges verändern sich die Beziehungen zwischen den Figuren. Die zuvor fragile Balance des Dreiecks wird durch räumliche Trennung, politische Verpflichtungen und moralische Entscheidungen zunehmend zerstört. Nähe wird durch Abwesenheit ersetzt, Kommunikation durch Schweigen, und emotionale Bindung durch Loyalitätskonflikte.
Guy und Mia versuchen, in dieser Situation Formen von Stabilität zu bewahren, während Gilda sich zunehmend in die Logik des Ausnahmezustands begibt. Die Beziehung zwischen ihnen wird dadurch nicht beendet, sondern in eine andere Qualität überführt: eine, in der Erinnerung und Verlust dominieren.
Gewalt, Verlust und Auflösung
Die Eskalation des Krieges führt schließlich zur vollständigen Transformation der Figurenkonstellation. Gilda wird im Verlauf der Kriegsereignisse getötet, ihre Figur verschwindet aus der Handlung nicht abrupt, sondern als Konsequenz einer schrittweisen Einbindung in die Gewaltgeschichte Europas.
Ihr Tod wirkt nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Verdichtung der zuvor angelegten Spannungen zwischen individueller Freiheit und historischer Determination. Guy und Mia bleiben zurück, jedoch nicht als einfache Überlebende, sondern als Träger einer Erfahrung, die sich nicht in persönliche Kontinuität überführen läßt.
Der Film zeigt eine Welt, in der private Bindungen nicht unabhängig von der Geschichte existieren können. Die Figuren sind nicht bloß Opfer äußerer Umstände, sondern bewegen sich in einem Raum, in dem persönliche Entscheidungen und politische Entwicklungen ununterscheidbar ineinander greifen.
Damit wird das Dreiecksverhältnis nicht nur als Liebeskonstellation, sondern als Modell historischer Erfahrung lesbar: als Versuch, inmitten politischer Katastrophen eine Form von Intimität zu bewahren, die jedoch an der Unvereinbarkeit von persönlichem Begehren und historischer Gewalt zerbricht.
Gleichzeitigkeit statt Abfolge
Viele Darstellungen von Bisexualität in Medien folgen einer Logik der Abfolge (zuerst eine Beziehung, dann eine andere). Der Film zeigt hingegen – zumindest phasenweise – eine Gleichzeitigkeit von Bindungen. Diese Gleichzeitigkeit ist ein zentrales Merkmal multisexueller Erfahrungsweisen, da sie das Modell exklusiver Paarbindung infrage stellt.Ambivalenz und fehlende Kategorisierung
Die Figuren benennen ihre sexuelle Orientierung nicht. Der Film arbeitet mit Ambivalenz statt mit Identitätslabels. Der Film macht historische oder kulturelle Darstellungen sichtbar, in denen Multisexualität nicht begrifflich gefaßt, aber praktisch dargestellt wird.Verknüpfung von Begehren und Machtverhältnissen
Die Beziehungen sind nicht nur von Begehren geprägt, sondern auch von Abhängigkeit, Kontrolle und Ungleichgewicht. Diese Dimension ist wichtig, weil sie zeigt, daß nicht-monosexuelle Konstellationen im Film nicht idealisiert werden, sondern als komplexe, teilweise konflikthafte Strukturen erscheinen.letzte Bearbeitung: 29.06.2026
