Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
793
Kategorie
Ursprungsland
Deutsches Kaiserreich
Sprache
Deutsch
Jahr
1914
Seiten
133
Auflage
2
Autor* / Autorin*
Verlag
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
18.10.2023
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
12.07.2024
Archiviertes Format
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Stichworte
#1906 #1914 #Bisexualität #Bisexualitätsforschung #Chronobiologie #Sexualforschung #Statistik #Tod #Wilhelm FließVom Leben und vom Tod

Biologische Vorträge
In seinem Werk "Der Ablauf des Lebens" hat der Verfasser gezeigt, wie das ganze Dasein nach einer inneren Ordnung abrolle, kraft deren die Zeiten des Geborenwerdens und Sterbens, des Wachsens und Vergehens ihren festen und vorbestimmten Platz in der uns genau zugemessenen Lebensdauer einnehmen. Diesen Neuerwerb unseres Wissens hinauszutragen über den engen Bezirk der Fachwissenschaft, soll die erste Aufgabe der biologischen Vorträge sein. Deshalb war es geboten, von den rechnerischen Beweisen, durch welche die Forschungen früher gestützt werden mußten, so weit als tunlich abzusehen.
- Der periodische Ablauf des Lebens 1. Teil
- Der periodische Ablauf des Lebens 2. Teil
- Aus der Geburtsstatistik
- Aus der Krankheits- und Sterbestatistik
- Rechts und links in der organischen Welt
- Männlich und Weiblich
- Vom Todesproblem
- "Es geht auch mit anderen Zahlen"
- Neue Schlüsse
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Wilhelm Fließ ist der eigentliche Begründer der Aussage: 'Alle Menschen sind Bisexuell.'. In diesem Buch begründet er seine Behauptung.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Wilhelm Fließ, ein deutscher Ohren-, Nasen- und Kehlkopf-Arzt, veröffentlichte 1906 sein Buch "Vom Leben und vom Tod". Dieses Werk ist nicht nur ein bedeutender Beitrag zur medizinischen Literatur seiner Zeit, sondern auch ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der wissenschaftlichen Theorien über biologische Rhythmen und ihre Auswirkungen auf das menschliche Leben und den Tod. Besonders bemerkenswert ist Fließ' Betrachtung der Bisexualität, die in seiner Theorie eine zentrale Rolle spielt.
Die Theorien von Wilhelm Fließ
In "Vom Leben und vom Tod" entwickelte Fließ eine umfassende Theorie über biologische Rhythmen. Er argumentierte, daß das menschliche Leben von zwei grundlegenden Zyklen bestimmt wird: einem 23-tägigen männlichen Zyklen und einem 28-tägigen weiblichen Zyklen. Diese Zyklen, die er als "Biorhythmen" bezeichnete, beeinflußten nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die psychische Verfassung und das Schicksal eines Menschen. Fließ glaubte, daß kritische Ereignisse im Leben, wie Geburt, Tod, Krankheit und gesundheitliche Krisen, durch die Interaktion dieser Zyklen vorhergesagt und erklärt werden könnten.
Bisexualität in "Vom Leben und vom Tod"
Ein besonders bemerkenswerter Aspekt von Fließ' Theorien ist seine Betrachtung der Bisexualität. Fließ betrachtete die menschliche Sexualität als eine grundlegende Mischung aus männlichen und weiblichen Eigenschaften. Er argumentierte, daß jeder Mensch sowohl männliche als auch weibliche Merkmale in sich trägt und daß diese Merkmale in verschiedenen Verhältnissen vorhanden sein können. Diese Idee war in der damaligen Zeit sehr avantgardistisch und brach mit den traditionellen Geschlechterrollen und sexuellen Normen. Fließ glaubte, daß die Interaktion der 23- und 28-tägigen Zyklen nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die sexuelle Orientierung und die Beziehungen zwischen Menschen bestimmt. Er sah die Bisexualität als eine natürliche und universelle Eigenschaft des Menschen, die sich in verschiedenen Formen und Intensitäten äußern kann. Diese Ansicht war revolutionär und legte den Grundstein für spätere Entwicklungen in der Sexualforschung und der Psychoanalyse.
Einfluß auf Sigmund Freud
Die Theorien von Fließ, insbesondere seine Betrachtungen zur Bisexualität, hatten einen erheblichen Einfluß auf Sigmund Freud. Freud und Fließ unterhielten eine intensive Korrespondenz, in der sie die Theorien des Arztes ausführlich diskutierten. Freud war von Fließ' Ideen fasziniert und integrierte einige seiner Gedanken in seine eigene psychologische Theorie. Insbesondere interessierte Freud sich für die Vorstellung, daß biologische Rhythmen auch die psychischen Prozesse beeinflußten könnten. Diese Ideen fanden ihren Weg in Freuds Arbeiten, insbesondere in Bezug auf die Bedeutung von Zeit und Rhythmus in der Psychoanalyse.
Freud übernahm die Idee, daß jeder Mensch sowohl männliche als auch weibliche Aspekte in sich trägt, und integrierte sie in seine Theorie der Psychosexualität. Freud sah die Bisexualität als eine natürliche und universelle Eigenschaft des Menschen, die sich in verschiedenen Formen und Intensitäten äußern kann. Diese Ansicht war in der damaligen Zeit sehr progressiv und trug dazu bei, die Diskussion über sexuelle Vielfalt und Identität zu vertiefen.
Rezeption und Kritik
Trotz der faszinierenden Natur von Fließ' Theorien wurden sie in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht allgemein akzeptiert. Viele seiner Zeitgenossen kritisierten die Mängel an wissenschaftlicher Beweisführung und die methodischen Grenzen seiner Forschung. Die Vorstellung, daß Leben und Tod durch präzise mathematische Zyklen bestimmt werden, wurde oft als zu spekulativ und nicht empirisch belegbar abgetan. Auch seine Theorien zur Bisexualität wurden in vielen Kreisen als kontrovers und nicht akzeptabel angesehen. Dennoch blieben Fließ' Ideen ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Diskussion. Seine Arbeiten inspirierten spätere Forschungen in der Chronobiologie, die sich mit den biologischen Rhythmen und ihren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit beschäftigen. In der Sexualforschung haben Fließ' Theorien zur Bisexualität dazu beigetragen, die Diskussion über sexuelle Vielfalt und Identität zu vertiefen. Heute werden Biorhythmen und sexuelle Orientierung in verschiedenen Bereichen der Medizin und Psychologie untersucht, obwohl die Theorien von Fließ in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr als wissenschaftlich fundiert gelten.
Historischer Kontext
"Vom Leben und vom Tod" wurde in einer Zeit veröffentlicht, in der die Wissenschaften in großer Aufbruchsstimmung waren. Die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren geprägt von revolutionären Entdeckungen in der Physik, Biologie und Psychologie. Fließ' Theorien spiegeln diese Aufbruchsstimmung wider und waren Teil eines breiteren Trends, naturwissenschaftliche Methoden auf komplexe menschliche Phänomene anzuwenden.
In diesem Kontext ist es wichtig zu betonen, daß Fließ' Theorien, obwohl in ihrer Zeit avantgardistisch, auch kritisch betrachtet werden müssen. Die Vorstellung der Bisexualität als natürliche und universelle Eigenschaft war progressiv und trug zur Debatte über sexuelle Vielfalt bei. Dennoch müssen seine Theorien im Kontext der damaligen wissenschaftlichen Methoden und sozialen Normen betrachtet werden.
Verweise / Quellen:
- Freud, S., & Fließ, W. (1986). Der Briefwechsel zwischen Sigmund Freud und Wilhelm Fließ 1887-1904. Hrsg. von Jeffrey Moussaieff Masson. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.
Hinweis
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letzte Bearbeitung: 30.01.2025
