Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
BiJou 00 - Ausgabe 0, 02/1994
Publikation: Zeitschrift, ArchivID: 803
Bisexuelles Journal, Informationsforum der Bisexuellen-Bewegung
Inhalt
- Herzlich willkommen im Bi-Wunderland
- Kunst und Kultur
Filmbesprechung: "Drei von ganzem Herzen"- Bisexualität auf bairisch
- Aus der Wissenschaft
Bericht über die internationale AIDS-Konferenz in Berlin- Zwischen Illusion und Wirklichkeit
Fragmentarisches aus dem Leben eines bisexuellen Familienvaters- Zur Bisexuellen-Bewegung in den USA
Von Lily Braindrop- 37,2 ° am Wochenende
- Impresslein
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Näheres zur Entstehung dieser Ausgabe ist noch nicht bekannt. Es scheint sich um einen "Prototypen" des bisexuellen Journals zu handeln. Der Inhalt der bix 01 entspricht zum Teil dieser Ausgabe.
1. Einleitung: Die Geburt des BiJournals
Die erste Ausgabe des BiJournals entstand im Jahr 1993 aus dem Wunsch heraus, ein Medium speziell für bisexuelle Frauen und Männer zu schaffen.
Acht Personen hatten sich im Rahmen eines ”Bi-Konzept-Seminars“ zusammengefunden und das Projekt initiiert. Im Juni 1993 wurde in Hamburg das Konzept finalisiert.
Geplant war eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift mit Schwerpunkten wie Gruppenberichte, Forschung, Kultur, Diskussionen und internationalen Themen.
Das Heft sollte viermal jährlich erscheinen und war auf Beiträge der Community angewiesen. Die Produktion fand in München statt, wo die Inhalte gesammelt, gestaltet und schließlich verteilt wurden. Das BiJournal war ein Projekt von BINE e.V., jedoch redaktionell unabhängig.
2. Filmbesprechung: ”Drei von ganzem Herzen“
Der Film ”Drei von ganzem Herzen“ wurde als temporeiche Komödie beschrieben, die mit bisexuellen Themen spielte, ohne sie vollständig auszuerzählen.
Die Handlung drehte sich um den Escort Joe, der engagiert wurde, eine Frau zu verführen – im Auftrag ihrer eifersüchtigen Ex-Partnerin. Der Plan geriet außer Kontrolle, als sich Joe selbst verliebte. Trotz klassischer Hollywood-Klischees bot der Film humorvolle Unterhaltung. Eine echte bisexuelle Liebeslösung blieb jedoch aus.
3. Gruppenbericht: Die Bi-Gruppe München
Die Bi-Gruppe in München hatte sich im Jahr 1992 gegründet, als vier Personen ein Inserat für ein erstes Treffen im schwulen Zentrum ”Sub“ formuliert hatten.
Am 12. Juni 1992 trafen sich daraufhin 25 Interessierte. Die Gruppe entwickelte sich rasch weiter und wurde zu einem festen Bestandteil der lokalen Bi-Szene.
Die Gruppe verstand sich nicht als Therapiegruppe, sondern als Freizeitgemeinschaft mit dem Fokus auf Austausch über Bisexualität. Über die Zeit hinweg entstanden Freundschaften und Beziehungen, was sowohl Nähe als auch Spannungen mit sich brachte. Die Reflexion über Erwartungen an die Gruppe war daher ein regelmäßiger Bestandteil.
4. Wissenschaft und HIV-Forschung
Mit dem Auftreten von AIDS rückten bisexuelle Menschen verstärkt in den Fokus der Forschung. Es wurden mehrere internationale Studien vorgestellt.
In den USA zeigten Untersuchungen, daß heterosexuelle Frauen sich meist über drogengebrauchende Männer infizierten – nicht vorrangig über bisexuelle Männer.
Andere Studien fanden hingegen erhöhte Infektionsraten bei bisexuellen Männern, vor allem bei Syphilis und HIV. In Australien und den USA wurde zudem beobachtet, daß sich viele Männer trotz gleichgeschlechtlicher Kontakte als heterosexuell identifizierten – mit Tendenz zu risikoreicherem Verhalten.
Die Forschung zeigte, wie komplex die Verknüpfung von sexueller Identität, Verhalten und Schutzverhalten war.
5. Persönlicher Erfahrungsbericht: Zwischen Illusion und Alltag
In einem sehr persönlichen Text schilderte ein bisexueller Familienvater den inneren Konflikt zwischen seiner Ehe und der Beziehung zu einem Mann.
Der Bericht zeichnete ein sensibles Bild des emotionalen Zwiespalts zwischen Sehnsucht, Intimität, Vereinbarungen mit der Ehefrau und gesellschaftlichen Erwartungen.
Der Text zeigte, wie Illusion und Realität nebeneinander existieren konnten, aber auch, wie flüchtig und konfliktreich solche Doppelleben sein konnten.
Zwischen familiären Pflichten und leidenschaftlichen Momenten mit dem männlichen Partner suchte der Erzähler nach einem Gleichgewicht.
6. Rückblick auf das Bi-Treffen in Groß Bademeusel
Der Bericht über ein bundesweites Bi-Treffen in Groß Bademeusel beschrieb eine warme, fast intime Atmosphäre. Teilnehmende nahmen an Spielen, Workshops und Gruppengesprächen teil. Besonders hervorgehoben wurde das emotionale Klima – eine intensive Mischung aus Nähe, Offenheit und Überforderung.
Der Text reflektierte auch über die Schwierigkeiten, sich dieser Gruppendynamik zu öffnen: Manche fühlten sich ausgeschlossen, andere überfordert.
Die Autorin sprach von der Notwendigkeit, die eigenen Grenzen zu respektieren und gleichzeitig den Mut zu finden, sich im eigenen Tempo auf andere einzulassen.
7. Zur Bi-Bewegung in den USA
Die Bi-Bewegung in den USA hatte in den 1990er Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Der Begriff ”bisexuell“ wurde vermehrt in Namen von Organisationen aufgenommen, und bisexuelle Themen fanden mehr Aufmerksamkeit. Ein symbolischer Erfolg war die Umbenennung der Washington-Demonstration 1993 in ”March on Washington for Lesbian, Gay and Bi Equal Rights and Liberation“.
Zugleich bildete sich eine eigenständige Bi-Kultur heraus – mit über 350 Gruppen weltweit, zahlreichen Publikationen wie ”Anything That Moves“ und Anthologien wie ”By Any Other Name“.
Herausforderungen blieben jedoch bestehen, insbesondere in Bezug auf öffentliche Sichtbarkeit und kulturelle Identifikation.
8. Abschluß und Kontakt
Am Ende der Ausgabe wurde betont, daß das BiJournal auf Beiträge und Rückmeldungen aus der Community angewiesen sei. Ein offenes Einladungsschreiben rief dazu auf, Inhalte aller Art (Texte, Termine, Berichte, Diskussionen) einzureichen. Auch eine erste Kontaktanzeige war enthalten: Eine bisexuelle US-Amerikanerin suchte Briefkontakt zu bisexuellen Menschen in Deutschland.
Hinweis
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte von Archivalien nicht mehr dem heutigen Wissensstand oder der aktuellen Rechtslage entsprechen könnten.
ArchivID
803
Kategorie
Autor* / Autorin*
Quelle
Ulrike Heller;
Datenstand dieser Publikation
25.02.1994
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
06.01.2024
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
24.07.2024
Archiviertes Format
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