Bi(-/+)Archiv
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Das Ehe-Buch
Buch: Schriftwechsel, ArchivID: 841
Eine neue Sinngebung im Zusammenklang der Stimmen führender Zeitgenossen
"Das Ehe-Buch" von Graf Hermann Keyserling ist ein philosophisches Werk, das 1925 veröffentlicht wurde. In diesem Buch widmet sich Keyserling umfassend dem Thema der Ehe und ihrer Bedeutung in Bezug auf menschliche Beziehungen, kulturelle Werte und spirituelle Aspekte. Keyserling betrachtete die Ehe nicht nur als eine soziale Institution, sondern auch als ein Mittel zur individuellen und spirituellen Entwicklung.
Keyserling, ein bekannter Philosoph und Reiseschriftsteller, analysierte die Ehe in einem breiteren kulturellen und historischen Kontext. Er reflektierte über Rollen von Mann und Frau, über die Liebe als fundamentale Basis einer Verbindung und über die Herausforderungen, die mit der Ehe einhergehen. Sein Ansatz ist stark geprägt von seiner Sicht auf die menschliche Seele und das Streben nach Erfüllung.
Das Werk war seiner Zeit voraus und regte kontroverse Diskussionen an.
Insbesondere in der Zeit der Weimarer Republik, die durch politische und kulturelle Umbrüche geprägt war, stellte Keyserling fest, dass er mit diesem Werk viele bestehende Vorstellungen infrage stellte.
Keyserling, der die Verbindung zwischen Ehe und geschlechtlicher Partnerschaft philosophisch analysierte, stellte das bis dahin gängige Rollenbild von Ehe und Familie zur Diskussion.
Er geht in seinem Buch auch auf gleichwertige Partnerschaften innerhalb der Ehe ein und formuliert einen modernen Begriff von Ehe, der auf Gegenseitigkeit und selbstbestimmter Freiheit basiert. Diese liberalen Vorstellungen über die Emanzipation und Gleichberechtigung innerhalb der Ehe wurden von konservativen Kreisen teils abgelehnt.
Dabei nahm Keyserling in Anlehnung an Sigmund Freud (und indirekt die Ideen der Psychoanalyse) Bezug auf tiefere, psychologische Aspekte menschlicher Beziehungen, was damals noch wenig akzeptiert oder zumindest vorsichtig betrachtet wurde. Diese Einflüsse, die sich auf eine modernere Sichtweise von Sexualität und Beziehungen stützten, regten Kontroversen in der zeitgenössischen Diskussion an, die vor allem durch konservative, moralische Kreise gegen die freien, oft selbstbestimmten neuen Ehemodelle gerichtet war.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Der bekannte deutsche Autor Thomas Mann sinniert über den Zerfall der Geschlechterrollen.
Es ist etwas von der Idee der Androgyne, von der die Romantiker träumten, in jener menschlich ausgeglichenen Kameradschaft zwischen den Geschlechtern, von der ich sprach. Zufall ist es wohl nicht, daß die Entstehung ihrer Möglichkeit mit der psychoanalytischen Entdeckung der ursprünglichen und natürlichen Bisexualität des Menschen zusammenfällt.
Seine Äußerungen in diesem Zusammenhang sind keine progressive Stellungnahme zur Bisexualität, sondern ein ambivalenter Hinweis, der eingebettet ist in seine Reflexion über gesellschaftliche Veränderungen und Geschlechterrollen. Für die Geschichte der Bisexualität ist die Erwähnung dennoch bedeutend, da sie den Stand der psychoanalytischen Debatte reflektiert und zeigt, daß das Thema bei einem wichtigen deutschen Schriftsteller seiner Zeit intellektuell präsent war.
Das macht diese Passage historisch wertvoll.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Wo diese Aspiration und Idee im Spiele ist, da ist der reine und rohe Begriff des "Männlichen" seelich nicht haltbar: etwas Feminines ist mit dem Wesen der Schönheit verbunden - vide [sieh] den Künstler, der nie und nirgends ein reiner und roher Mann gewesen ist.
Thomas Mann erkennt die gesellschaftlichen Veränderungen an – die Emanzipation der Frauen, der wachsende Anspruch auf Gleichberechtigung, und das Streben der Dienerschaft (Gesinde) nach Unabhängigkeit. Diese Entwicklung sieht er nicht nur positiv: Während er intellektuell die Emanzipation respektiert, scheint er innerlich skeptisch gegenüber dem Verlust von Hierarchien und traditionellen Rollenverhältnissen.
Die ”žVermännlichung der Frauen“, die er anführt, spiegelt seine Befürchtungen wider, daß solche Veränderungen die kulturellen Grundlagen der Geschlechterpolarität untergraben.
Seine Erwähnung der Bisexualität steht hier eher als analytischer Hinweis auf einen wissenschaftlichen Diskurs (Freud und Psychoanalyse) und weniger als eine Wertschätzung oder ein Plädoyer für sexuelle Vielfalt. Er deutet die ”žEntdeckung der ursprünglichen und natürlichen Bisexualität“ nicht als Anlaß zur Feier dieser Vielfalt, sondern als einen Ausdruck des Zeitgeists: Die gesellschaftlichen Veränderungen rufen scheinbar jene Ursprünge wieder ins Bewußtsein, weil Grenzen verschwimmen und Polaritäten weniger relevant werden.
Diese Sicht zeigt, dass Thomas Mann Bisexualität eher instrumentell für seine Kulturkritik heranzieht, als sie tatsächlich zu würdigen. Es bleibt ein theoretischer Verweis ohne tieferen Einsatz für bisexuelle Rechte oder Verständnis.
Auch die Homosexualität kommt in seinem Essay zur Sprache, wird von Thomas Mann aber als die "freie Liebe" bezeichnet. Die Liebe ohne Verpflichtungen, ohne Fortpflanzung, ungebunden/unverbindlich.
Verweise / Quellen:
- Münchner neueste Nachrichten: Wirtschaftsblatt, alpine und Sport-Zeitung, Theater- und Kunst-Chronik. 1925 = Jg. 78, 11; 05.11.1925
Hinweis
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ArchivID
841
Kategorie
Ursprungsland
Weimarer Republik
Sprache
Deutsch
Jahr
1925
Seiten
428
Auflage
2
Autor* / Autorin*
Herausgeber* / Herausgeberin*
Verlag
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
31.12.2024
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
18.01.2025
Archiviertes Format
Stichworte
#1925 #Ehe #Emanzipation #Feminismus #Georg Wilhelm Friedrich Hegel #Immanuel Kant #Johann Wolfgang von Goethe #Thomas Mannletzte Bearbeitung: 19.01.2025
