09-10-2026 Logo Archiv zur Bisexualität, in Anlehnung an das Logo von Bisexuell.org
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Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.

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                          874

                          Kategorie

                          Publikation -> Information, Bericht

                          Autor* / Autorin*

                          Dr. Laura Adamietz;
                          -GGR9DU; -F7552R; -HPMEZV;
                          Dr. phil. Claudia Krell;
                          -HU6JNF; -B4H9UE; -YHGSB4;
                          Prof. Dr. med. Volkmar Sigusch;
                          🪦
                          Prof. Dr. phil. Heinz-Jürgen Voß;
                          -C7SG4G;

                          Herausgeber* / Herausgeberin*

                          Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

                          Quelle

                          Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

                          Datenstand dieser Publikation

                          06.03.2020

                          Im Bi(-/+) Archiv seit dem

                          13.09.2025

                          Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht

                          30.11.2025

                          Archiviertes Format

                          Druckexemplar
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                          Stichworte

                          #2020 #Äußeres Coming-out #BiErasure #Bisexualität #BiVisibility #BZgA #Coming-out #Diskriminierung #geschlechtliche Identität #Gesundheitsforschung #Heteronormativität #Inneres Coming-out #Intersexualität #Jugend #Jugendforschung #Multisexuell #Queer #Sex #Sexualforschung #Sexualwissenschaft #sexuelle Fluidität #sexuelle Identität #sexuelle Orientierung #Studierendenforschung #Trans* #Transidentität #Vielfalt
                          Shortlink: https://biurl.org/!a874

                          BZgA-Forum 1-2015: Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierungen

                          Publikation: Information, Bericht, ArchivID: 874
                          Türkisfarbenes Deckblatt mit großer Aufschrift des Titels. Darüber in Blöcken, Titel und Autoren_innen der einzelnen Beiträge.
                          © BZgA

                          Die Publikation ist ein BZgA-FORUM (1-2015) mit mehreren Fachbeiträgen zu Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierungen. Sie bündelt Aufsätze aus Sexualwissenschaft, Medizin, Soziologie und Jugendforschung sowie Ergebnisteile zu Studien über Studierende und LSBTIQNA*-Jugendliche. Der Band behandelt historische, biologische, rechtliche und psychosoziale Perspektiven und enthält außerdem Berichte zu Forschungsprojekten und Praxisinitiativen.

                          Relevanz

                          Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?

                          Das BZgA-Forum ”Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierungen“ (1-2015) ist kein spezialisiertes Werk über Bisexualität, aber es gehört zu den wenigen deutschsprachigen Fachpublikationen einer staatlichen Institution, die Bisexualität und multisexuelle Orientierungen nicht nur erwähnen, sondern methodisch sauber in Studien berücksichtigen.

                          Kommentar Bi(-/+) Archiv

                          Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.

                          Historischer und theoretischer Rahmen — Sigusch: ”Sexuelle Vielfalt als Geschichte zunehmender Akzeptanz“

                          Volkmar Sigusch zeichnet einen langen historischen Bogen: Sexualität als Kulturform ist relativ jung; es gab mehrere «sexuelle Revolutionen» (um 1900 und um 1968) und seit den 1980er-Jahren eine von ihm so genannte neosexuelle Revolution, die Geschlecht, Beziehungsformen und Sexualpraktiken weiter diversifiziert. Sigusch betont, dass Homosexuelle- und Lesbenbewegungen Vorreiter für diese Veränderungen waren und kulturelle Muster vorwegnahmen, die später breiter wurden (z. B. Auflösung rigider Geschlechtsrollen, Flexibilisierung von Beziehungsformen). Er beschreibt den fortbestehenden Konflikt: wachsende Offenheit einerseits, weiterhin starke Diskriminierung und Gewalt gegen sexuelle Minderheiten andererseits.

                          Biologisches Geschlecht im Kontext — Voß: Präformation vs. Epigenese, gesellschaftliche Einbettung

                          Heinz-Jürgen Voß diskutiert kritisch gängige biologische Erklärungsmodelle für Geschlecht. Er kontrastiert *präformations-*Ansätze (starke genetische Determination) mit epigenetisch-entwicklungsorientierten Modellen, die Entwicklung als Ergebnis zahlreicher Wechselwirkungen sehen (Gene × Zellprozesse × Umwelt). Ergebnis: körperliche Merkmale entwickeln sich individuell, mehrstufig und sind nicht einfach binär vorherbestimmt; das erschüttert einfache Dichotomien «männlich/weiblich». Voß verknüpft diese naturwissenschaftliche Perspektive mit einer Analyse, wie Kategorisierungen (Geschlecht, Rasse, Klasse) historisch zur Herrschaftsbildung und Privilegverteilung dienten — also: «biologische» Kategorien sind sozial eingebettet und politisch wirksam.

                          Intersexualität — pragmatische, ethische und rechtliche Fragen

                          Der Beitrag zur Intersexualität (u. a. zusammenfassend auf Basis der Deutschen Ethikrat-Stellungnahme) beschreibt, wie medizinische Praxis lange pathologisiert und frühoperative Standardmaßnahmen (Optimal Gender Policy) praktiziert wurden. Die neuere Debatte empfiehlt, medizinische Eingriffe zu restriktiver Handhabung, mehr Aufklärung, interdisziplinäre Kompetenzzentren und die Möglichkeit, im Personenstandsregister neben ”weiblich“/”männlich“ eine Kategorie ”anderes“ einzuführen oder die Eintragung bis zur Entscheidungsreife offenzuhalten. Das Kapitel verweist zudem auf Kritik von Betroffenenorganisationen gegenüber bestimmten Empfehlungen (Debatte um elterliche Einwilligung vs. körperliche Unversehrtheit).

                          Empirische Befunde zu sexueller Orientierung — Studierende, Trends, Mono- vs. Bisexualität

                          Die Veröffentlichung enthält Auswertungen aus wiederholten Erhebungen bei 20–30-jährigen Studierenden (1966, 1981, 1996, 2012). Kernergebnisse: der Anteil, der sich als vorwiegend/ausschließlich heterosexuell bezeichnet, ist sehr hoch; der Anteil, der vorwiegend/ausschließlich homo- oder bisexuell angibt, liegt zusammen in der Regel um ~4–6% in den untersuchten Stichproben. Explizit: die Kategorie ”bisexuell“ wurde in den Daten regelmäßig genannt (bei Frauen etwas häufiger als bei Männern) und Frauen zeigen insgesamt größere Flexibilität in Selbstzuordnungen (höherer Anteil ”vorwiegend heterosexuell“ vs. ”ausschließlich“; Unsicherheit bezüglich Dauerhaftigkeit der Orientierung ist bei Frauen öfter vertreten). Diese Zahlen stammen aus den Studien in der Publikation und werden tabellarisch präsentiert.

                          Bisexualität / Multisexualität in den BZgA-Fachbeiträgen

                          Begriffliche Einordnung und Kontext

                          Die Publikation versteht sexuelle Orientierung grundsätzlich als Spektrum. Im empirischen Teil der Studien taucht Bisexualität neben homo- und heterosexueller Orientierung als reguläre, eigenständige Kategorie auf. Zusätzlich wird sichtbar, dass manche Befragte sich bewußt außerhalb klassischer Kategorien verorten (”queer“, ”anderes“, ”keine Kategorie“). Damit wird Multisexualität als reale Erscheinungsform von Vielfalt anerkannt, nicht als Ausnahme oder Übergangsphase.

                          Verbreitung und demografische Muster

                          In den wiederholten Studierendenbefragungen verschiedener Jahrgänge (1966–2012) zeigt sich durchgehend ein kleiner, aber stabiler Anteil von Personen, die sich selbst als bisexuell bezeichnen. Auffällig ist ein Geschlechterunterschied: Frauen geben häufiger bisexuelle Orientierungen oder flexible Muster (”vorwiegend heterosexuell“, aber nicht ausschließlich) an. Männer ordnen sich öfter eindeutig zu.
                          Die Publikation interpretiert dieses Muster nicht pathologisierend, sondern verweist auf unterschiedliche soziale Normen, Selbstoffenbarungsbarrieren und geschlechtsbezogene Rollenerwartungen.

                          Multisexualität und sexuelle Fluidität

                          Bei Frauen finden sich laut den Daten tendenziell mehr Hinweise auf sexuelle Fluidität. Dies bedeutet: einige Befragte gehen davon aus, daß sich ihre Orientierung im Lebensverlauf verändern kann. Die Publikation bewertet das neutral und zeigt, dass Sexualität nicht für alle Menschen starr oder fix ist.
                          Die Möglichkeit fluiden Erlebens wird nicht als ”Unentschlossenheit“ oder ”Durchgangsstufe“ beschrieben, sondern als legitime Variante sexueller Orientierung.

                          Jugendforschung: Bisexuelle Jugendliche und ihre Lebenslagen

                          In der DJI-Pilotstudie (zu LGBT*-Jugendlichen) zeigt sich:

                          • Bisexuelle Jugendliche sind sichtbar, aber oft unterstützungsschwach.
                          • Sie teilen Diskriminierungserfahrungen mit lesbischen und schwulen Jugendlichen, berichten aber zusätzlich von Unsichtbarkeit, fehlender Anerkennung und Unterschätzung ihrer spezifischen Bedürfnisse.
                          • achkräfte betonen, daß es kaum jugendgerechte Beratungsangebote gibt, die Bisexualität als eigenes Thema ernst nehmen.
                          • Coming-out-Prozesse gestalten sich teilweise komplizierter, da Jugendumgebungen oft nur homo/hetero denken.
                          Forschungsstand und Datenlücken

                          Die Publikation benennt klar:

                          • Bisexualität wird in vielen Sozial- und Gesundheitsstudien unzureichend erfaßt.
                          • Häufig fehlen differenzierte Kategorien oder ausreichende Stichprobengrößen für multisexuelle Gruppen.
                          • Dadurch bleiben viele übergreifende Fragen zu Lebensqualität, Gesundheit, Diskriminierung und spezifischen Bedarfen bisexueller Menschen empirisch kaum beantwortet.
                          • Die Autorinnen/Autoren fordern explizit bessere Datenerhebung und mehr Aufmerksamkeit für die Lebensrealitäten multisexueller Personen.
                          Queere Selbstbezeichnungen

                          Ein wiederkehrendes Thema ist, dass junge Menschen häufiger alternative oder queere Begriffe nutzen, die starre Kategorien auflösen. Dazu gehört:

                          • queer
                          • genderfluid
                          • non-binary
                          • ”keine der genannten Kategorien“

                          Diese Offenheit zeigt, dass Multisexualität und nicht-exklusive Orientierungen heute in ein breiteres Feld queerer Identitätskonzepte eingebettet sind.

                          Handlungsbedarfe

                          Die BZgA-Publikation nennt mehrere strukturelle Bedarfe, die besonders für bi- bzw. multisexuelle Menschen relevant sind:

                          • mehr Bildungsangebote, die Bi+ nicht als Randthema behandeln
                          • verbesserte Beratungsstrukturen für Jugendliche
                          • stärkere Sichtbarkeit in Forschung und Öffentlichkeit
                          • Sensibilisierung gegenüber Bi-Unsichtbarkeit und Vorurteilen
                          • differenzierte Erhebungskategorien in Studien
                          [ GPT & Mac ]

                          Hinweis

                          Bitte beachten Sie, daß die Inhalte von Archivalien nicht mehr dem heutigen Wissensstand oder der aktuellen Rechtslage entsprechen könnten.

                          L: AkS (2)
                          letzte Bearbeitung: 21.04.2026
                          <<< Publikation: Uferlos e.V - Mietvertrag Bürgerhaus Stollwerck, 2020
                          Publikation: BiJou 39, Das Bisexuelle Journal, Ausgabe 39, 06/2023 >>>
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