Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
876
Kategorie
Herausgeber* / Herausgeberin*
Datenstand dieser Publikation
02.10.1991
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
12.12.2025
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
12.12.2025
Archiviertes Format
Stichworte
#1991 #Alain Delon #BiErasure #Biphobie / Bifeindlichkeit #Diskriminierung #Eifersucht #Heterosexismus #Homophobie / Homofeindlichkeit #Karl-Heinz Böhm #Romy Schneider #Sexismus #Sexualität #Suizidalität #VorurteileBUNTE, 41/1991

© Burda GmbH
Titelthema: Romys Tragödie im neuen Licht. Selbstmordversuch, als sie Delon mit einem Mann im Bett überraschte.
Der Artikel ist ein illustrierter Magazinbeitrag über das Leben und die Beziehungen der Schauspielerin Romy Schneider, mit besonderem Schwerpunkt auf ihre Partnerschaften, emotionale Krisen und ihrem frühen Tod.
Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Romy Schneider und Alain Delon, die als prägend für ihr weiteres Leben dargestellt wird. Der Text greift Aussagen aus Memoiren und Interviews auf, insbesondere von Karlheinz Böhm, der berichtet, Romy Schneider habe ihm anvertraut, sie habe Delon mit einem Mann im Bett überrascht. Dieses Erlebnis wird im Artikel als einschneidend für ihr emotionales Erleben beschrieben.
Der Beitrag schildert weiter Schneiders spätere Beziehungen zu Männern, darunter Ehen und Partnerschaften, und verknüpft diese mit biografischen Brüchen, Trennungen und persönlichen Belastungen. Ergänzend werden psychologische Deutungen herangezogen, um mögliche emotionale Reaktionen auf Untreue, Trennung und Verlust zu erklären.
Neben Beziehungen zu Männern erwähnt der Text auch intime Beziehungen und Nähe zu Frauen, die im Zusammenhang mit Lebensphasen nach Enttäuschungen mit männlichen Partnern dargestellt werden. Diese Aspekte werden nicht als eigenständige sexuelle Identität beschrieben, sondern als Teil ihrer persönlichen Beziehungsbiografie.
Der Artikel verbindet diese Beziehungsgeschichten mit Schneiders psychischer Verfassung, verweist auf einen Suizidversuch, auf spätere Lebenskrisen sowie auf Todesfälle in ihrem Umfeld. Abschließend wird ihr Tod im Jahr 1982 geschildert, einschließlich der Umstände ihres Auffindens.
Der Text folgt insgesamt einer biografisch-narrativen Struktur, die private Beziehungen, emotionale Zustände und dramatische Ereignisse miteinander verknüpft, um ein Gesamtbild von Romy Schneiders Leben und Leidensgeschichte zu zeichnen.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Beispiel für problematische, heteronormative und pathologisierende Darstellungen gleichgeschlechtlicher und bisexueller Bezüge in der Boulevardpresse der 1990er Jahre.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Der Artikel ist ein boulevardjournalistischer Magazinartikel (BUNTE, 1991).
Bisexualität erscheint hier nicht als Identität, sondern als Skandalisierungs-, Deutungs- und Erklärungsmotiv im Rahmen der Prominentenbiografie von Karl-Heinz Böhm mit Bezug zu Romy Schneider.
Darstellung gleichgeschlechtlicher Bezüge
Der Text behauptet bzw. suggeriert mehrfach:
- Alain Delon habe sexuelle Beziehungen zu Männern gehabt.
- Romy Schneider habe Delon ”mit einem Mann im Bett erwischt“.
- Romy habe später sexuelle Kontakte mit Frauen gehabt.
Diese Punkte werden nicht als mögliche sexuelle Orientierung verstanden, sondern:
- als Schockmoment,
- als Ursache für psychische Krisen,
- als Auslöser von Selbstverletzung,
- als ”Abweichung“ von der Norm.
Bisexualität fungiert hier nicht beschreibend, sondern dramatisierend.
Psychologisierung und Pathologisierung
Besonders problematisch ist die psychologische Deutung:
- Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden als
- ”Racheakt“,
- ”Bestätigung nach Enttäuschung“,
- Reaktion auf Trauma interpretiert.
- Frauenbeziehungen werden explizit nicht als eigenständige Orientierung, sondern als Folge männlicher Kränkung erklärt.
- Aussagen wie:
Gegen die Sexualität eines Mannes ist eine Frau machtlos
transportieren ein heteronormatives und essentialistisches Sexualitätsverständnis.
Bisexualität wird damit entwertet und psychologisch funktionalisiert, nicht anerkannt.
Implizite Botschaften des Textes
Aus heutiger Sicht transportiert der Artikel folgende problematische Annahmen:
- Gleichgeschlechtliches Begehren ist
- Ursache von Leid
- Zeichen von Instabilität
- Erklärung für ”Verfall“
- Bisexuelles Verhalten ist
- Übergang
- Symptom
- Reaktion, nicht Identität
Das entspricht klassischer bi- und homophober Medientradition des 20. Jahrhunderts.
Hinweis
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte von Archivalien nicht mehr dem heutigen Wissensstand oder der aktuellen Rechtslage entsprechen könnten.
letzte Bearbeitung: 21.04.2026
