Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
878
Kategorie
Ursprungsland
Weimarer Republik
Sprache
Deutsch
Jahr
1990
Seiten
334
ISBN-13
Autor* / Autorin*
Klaus Heinrich Thomas Mann
Herausgeber* / Herausgeberin*
Verlag
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
24.12.2025
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
24.12.2025
Archiviertes Format
Maskenscherz

© Barbara Hanke, George Grosz, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
Die frühen Erzählungen
Unser bewußtes Leben begann in einer Zeit beklemmender Ungwißheit. Da um uns herum alles barst und schwankte, woran hätten wir uns halten, nach welchem Gesetz uns orientieren sollen? Die Zivilisation, deren Bekanntschaft wir in den zwanziger Jahren machten, schien ohne Blance, ohne Ziel, ohne Lebenswillen, reif zum Ruin, bereit zum Untergang. Ja, wir waren früh vertraut mit apokalyptischen Stimmungen, erfahren in mancherlei Exzessen und Abenteuern.
Mit diesen Worten charakterisiert Klaus Mann in seiner Autobiographie das Lebensgefühl der eigenen Generation. Seine frühen Erzählungen, die im vorliegenden Band erstmals komplett erscheinen, sind ein ungeschminkter Spiegel des Daseins und der Sehnsüchte dieser 'Verlorenen Generation'.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Die Erzählung ”šLudwig Zoffcke”˜ enthält eine klar belegbare Darstellung bisexuellen Begehrens auf der Ebene sexueller Praxis. Der Protagonist unterhält sexuelle Beziehungen zu Frauen und benennt zugleich explizit sexuelles Verlangen nach jungen Männern, ohne diese voneinander zu trennen oder hierarchisch zu ordnen.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Maskenscherz ist eine Sammlung früher Erzählungen Klaus Manns aus den 1920er Jahren, die überwiegend aus seinem Frühwerk stammen und teils bereits zuvor in anderen Zusammenhängen veröffentlicht wurden (u. a. im Band Vor dem Leben, 1925). Die Texte sind deutlich im kulturellen und sozialen Milieu der Weimarer Republik verankert und zeichnen ein Bild einer Generation, die zwischen künstlerischem Anspruch, emotionaler Vereinzelung, sexueller Freizügigkeit und existenzieller Orientierungslosigkeit lebt.
Zentral ist dabei die Darstellung von Beziehungen, die selten stabil oder gleichberechtigt sind. Liebe erscheint meist als Projektion, Sexualität als Machtmittel oder als verzweifelter Versuch, Einsamkeit zu überwinden. Klaus Mann schildert Begegnungen, Affären und Abhängigkeiten nüchtern, teilweise schonungslos, und verzichtet weitgehend auf moralische Kommentierung.
Mehrere Texte des Bandes enthalten explizite Darstellungen nicht-heteronormativer Sexualität. Besonders deutlich tritt dies in der Erzählung ”žLudwig Zoffcke“ hervor. Die Titelfigur lebt eine intensive sexuelle Beziehung mit der jungen Frau Lolo, benennt jedoch zugleich ausdrücklich sexuelles Begehren und sexuelle Erfahrungen mit jungen Männern, insbesondere mit proletarischen Burschen. Dieses Begehren wird nicht relativiert, entschuldigt oder als Übergangsphase dargestellt, sondern als selbstverständlicher Teil seiner sexuellen Praxis beschrieben. Frauen, Mädchen und junge Männer erscheinen dabei als gleichrangige Objekte seines Begehrens.
Die Erzählung enthält damit eine klar belegbare Darstellung bisexuellen Verhaltens, ohne dafür – zeittypisch – eine Identitätskategorie zu verwenden. Sexualität wird nicht als Ausdruck von Identität verhandelt, sondern als triebhafte, oft rücksichtslose Handlung, die sowohl Nähe als auch Zerstörung hervorbringt. Die Bisexualität Zoffckes ist dabei weder emanzipatorisch noch positiv aufgeladen, sondern eingebettet in ein Gesamtbild von Narzissmus, Gewalt, Machtmissbrauch und emotionaler Leere.
Auch über diese einzelne Erzählung hinaus zeigt Maskenscherz ein deutliches Interesse an sexueller Ambivalenz, an Grenzüberschreitungen und an gesellschaftlich marginalisierten Formen von Begehren. Der Band dokumentiert damit früh die literarische Auseinandersetzung Klaus Manns mit Sexualität jenseits bürgerlicher Normen und bietet zugleich einen wichtigen Einblick in die kulturellen Spannungen der Zwischenkriegszeit.
Hinweis
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letzte Bearbeitung: 03.01.2026
