Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
The Buddha of Suburbia
Film: Filmmusik, ArchivID: 884
Die Musik-CD The Buddha of Suburbia enthält die von David Bowie komponierte Musik zur gleichnamigen BBC-Miniserie nach dem Roman von Hanif Kureishi.
Die Aufnahmen entstanden im Kontext eines konkreten Produktionsauftrags für die BBC- Miniserie, lösten sich im Verlauf der Arbeit jedoch zunehmend von ihrer ursprünglichen Funktion als reine Bildbegleitung. Nur der Titeltrack wurde in der finalen Produktion verwendet, während die übrigen Stücke als eigenständige musikalische Arbeiten veröffentlicht wurden.
Das Album umfaßt Kompositionen, die verschiedene stilistische Elemente aus Popmusik, Rock, elektronischer Musik und ambientartigen Klangflächen miteinander verbinden. Die Stücke sind überwiegend instrumental oder atmosphärisch strukturiert und folgen keiner durchgehenden narrativen Abfolge. Stattdessen entsteht die musikalische Struktur aus variierenden Motiven, Fragmenten und wiederkehrenden Klangideen, die im Studioarbeitsprozeß entwickelt wurden.
- Buddha Of Suburbia (4:28)
- Sex And The Church (6:25)
- South Horizon (5:26)
- The Mysteries (7:12) – Instrumental
- Bleed Like A Craze, Dad (5:22)
- Strangers When We Meet (4:58)
- Dead Against It (5:48)
- Untitled No. 1 (5:01)
- Ian Fish, U.K. Heir (6:27)
- Buddha Of Suburbia (4:19) – feat. Lenny Kravitz (Gitarre)
This album may well have been one of the most enjoyable projects that I.
Dieses Album war mit Sicherheit eines der schönsten Projekte, an denen ich je beteiligt war.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Die Musik als Ergebnis eines offenen Arbeitsprozesses
Die Musik zur BBC-Verfilmung von The Buddha of Suburbia ist nicht als ein geschlossenes, im Voraus entworfenes Klanggebäude entstanden. Vielmehr beschreibt David Bowie selbst diesen Prozeß als ein Arbeiten unter Bedingungen, die sich im Verlauf verschoben. Ausgehend von der Anfrage, Musik für eine Fernsehadaption von Hanif Kureishis Roman zu liefern, entwickelte sich das Material zunächst noch in enger Beziehung zu den szenischen Motiven der Produktion. Doch diese Bindung löste sich im Verlauf der Arbeit.
Bowie spricht davon, daß die Stücke im Studio „ein Eigenleben“ angenommen hätten. Was ursprünglich als funktionale Zuordnung gedacht war, trat zurück hinter eine Arbeitsweise, die sich stärker an inneren Assoziationen, Erinnerungen und musikalischen Fragmenten orientierte als an der Vorlage selbst.
Erinnerung als Material
In seinem Kommentar verweist Bowie ausdrücklich auf ein „Gedächtnisfeld“ der 1970er Jahre: Orte, musikalische Einflüsse, soziale Räume, Zufallsbegegnungen und ästhetische Eindrücke. Diese Elemente erscheinen nicht als geordnetes Archiv, sondern als eine Art loses Material, das im Arbeitsprozeß aktiviert wird.
Namen wie Kraftwerk, Brian Eno, Roxy Music oder Philip Glass stehen dabei nicht für stilistische Programme, sondern für Referenzpunkte eines persönlichen Erinnerns, das nicht zwischen biografischer Erfahrung und kultureller Überlieferung trennt. Die Musik entsteht somit weniger aus einer linearen Komposition als aus einer Montage von Assoziationen, die im Studio miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Die von Bowie beschriebenen Erinnerungen an die 1970er Jahre umfassen neben musikalischen Einflüssen auch ein kulturelles Umfeld, das von experimentellen Formen der Identitäts- und Geschlechterdarstellung geprägt war. Diese Phase, in der Bowie selbst mit androgynen Rollenbildern und einer öffentlichen Positionierung jenseits eindeutiger sexueller Zuschreibungen arbeitete, bildet einen impliziten Hintergrund der Kompositionen.
Abweichung von der ursprünglichen Funktion
Bemerkenswert ist, daß Bowie die ursprünglich für die Fernsehserie entwickelten musikalischen Motive weitgehend verwirft. Lediglich der Titelsong bleibt in der späteren Veröffentlichung als direkte Verbindung zur Produktion erhalten. Der Rest des Albums entfernt sich bewußt von der Aufgabe, Szenen zu begleiten oder narrative Funktionen zu erfüllen.
Diese Verschiebung ist nicht als Bruch im negativen Sinne beschrieben, sondern als eine Veränderung der Orientierung: von der äußeren Vorgabe hin zu einer eigenständigen musikalischen Struktur, die sich aus dem Prozeß selbst legitimiert.
Arbeitsweise als montageartige Praxis
Bowie beschreibt seine Methode als eine Form des freien Umgangs mit Fragmenten, bei der Sprache, Klang und musikalische Ideen in Teilen übernommen, verändert oder verworfen werden. Auch die Bedeutung einzelner Textelemente ist dabei nicht festgelegt; ein erheblicher Teil entsteht aus der Klangwirkung von Worten selbst, nicht aus ihrem semantischen Gehalt.
Diese Arbeitsweise steht in einer Nähe zu Verfahren der Montage und des Cut-ups, wie sie aus der experimentellen Literatur bekannt sind. Sie setzt voraus, daß Bedeutung nicht vorausgeht, sondern sich im Zusammenfügen unterschiedlicher Materialien erst ergibt – oder auch nicht stabil wird.
Zwischen Projektauftrag und künstlerischer Selbstbestimmung
In Bowies eigenen Kommentaren wird deutlich, daß die Arbeit an diesem Projekt für ihn eine besondere Offenheit hatte. Er beschreibt sie als einen Zustand intensiver Produktivität, der sich nicht an äußeren Erwartungen orientierte, sondern an einer Art innerem Arbeitsfluß.
Die Musik entsteht damit in einem Spannungsfeld zwischen Auftrag und Selbstbestimmung, zwischen funktionaler Herkunft und autonomer Weiterentwicklung. Gerade diese Spannung verhindert eine eindeutige Zuordnung des Werkes und macht es zu einem Beispiel dafür, wie künstlerische Produktion sich von ihrem Anlaß lösen kann, ohne diesen vollständig zu verlieren.
ArchivID
884
Kategorie
Ursprungsland
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
Jahr
1993
EAN / GTIN
Autor* / Autorin*
David Bowie
Komponist* / Komponistin*
David Bowie
Produzent* / Produzentin*
David Bowie;
Erdal Kizilcay;
Dave Richards;
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
04.05.2026
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
10.05.2026
Archiviertes Format
letzte Bearbeitung: 28.05.2026
