Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
899
Kategorie
Quelle
Ulrike Heller
Datenstand dieser Publikation
05.10.2001
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
22.04.2026
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
22.05.2026
Archiviertes Format
Stichworte
#2000 #2001 #AIDS #Aufklärung #Außenwerbung #Bi-Bewegung #Bi-Gruppe Köln #Bisexualität #Deutschland #Europäische Union #Köln #Nordrhein-Westfalen #Selbstorganisation #Sichtbarkeit #Uferlos e.V. #Ulrike Heller- Sammlung #Verein #VernetzungTätigkeitsbericht von Uferlos - Kölner Bisexuellengruppe e.V. für 2000

Das Dokument war ein Tätigkeitsbericht von Uferlos – Kölner Bisexuellengruppe e.V. für das Jahr 2000. Es dokumentierte die regelmäßigen Treffen, Gesprächskreise und Frauengruppen des Vereins, beschrieb Beratungs- und Unterstützungsangebote für bisexuelle Menschen und hielt Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärungsarbeit sowie die Vernetzung mit lokalen, bundesweiten und internationalen Initiativen fest. Zugleich zeigte der Bericht, wie der Verein seine Sichtbarkeit durch Partys, Informationsstände, Medienarbeit und Teilnahme am Christopher Street Day ausbaute und sich organisatorisch weiter festigte, etwa durch Mitgliederversammlung, Versicherungsabschluß und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Allgemeiner Überblick
Der Tätigkeitsbericht von Uferlos – Kölner Bisexuellengruppe e.V. für das Jahr 2000 zeigte einen Verein, der nicht nur Begegnung ermöglichte, sondern zugleich eine soziale Infrastruktur für bisexuelle Menschen in Köln und darüber hinaus aufbaute. Im Zentrum standen regelmäßige Treffen, Beratung, politische und öffentliche Präsenz sowie die Vernetzung mit anderen Gruppen und Initiativen. Der Bericht machte deutlich, daß sich die Arbeit nicht auf einzelne Veranstaltungen beschränkte, sondern in einer kontinuierlichen, organisatorisch getragenen Praxis bestand, die Austausch, Unterstützung und Sichtbarkeit miteinander verband.
Regelmäßige Treffen und Gesprächsangebote
Besonders prägend war die fortlaufende Gruppenarbeit. Jeden ersten Montag im Monat fand im Bürgerzentrum Ehrenfeld ein offenes Treffen statt, das als Forum für Gespräche und Austausch diente und nach Angaben des Berichts jeweils etwa 15 bis 25 Personen anzog. Jeden dritten Montag im Monat wurde dort außerdem ein thematischer Gesprächskreis angeboten, der ausdrücklich auch der seelisch-psychischen Betreuung dienen sollte. Diese Abende behandelten eine breite thematische Spannweite: von einer Zukunftswerkstatt über Bisexualität, Geschlechterrollen, Literatur und politische Ziele der Bi-Bewegung bis hin zu HIV/Aids, Coming-out, Kontaktimprovisation, Rollenverhalten in der Familie, dem Umgang mit Eifersucht und einem Weihnachtstreffen. Damit wurde nicht bloß informiert, sondern ein Raum geschaffen, in dem persönliche Erfahrung, gesellschaftliche Deutung und praktische Selbstverständigung ineinandergriffen.
Frauen- und Wochenendtreffen als Orte der Vertiefung
Ergänzend zu den offenen monatlichen Treffen existierten spezifische Angebote für bisexuelle Frauen. Jeden zweiten Dienstag im Monat traf sich eine Frauengruppe im SchuLZ mit etwa 8 bis 10 Teilnehmerinnen. Hinzu kamen offene Wochenendtreffen, die offenbar als intensivere Form des Austauschs dienten und im Jahresverlauf mehrfach stattfanden. Solche Formate deuteten darauf hin, daß der Verein unterschiedliche Bedürfnisse aufnahm: niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten einerseits und vertiefende, zeitlich verdichtete Begegnungen andererseits. Gerade in einer Zeit, in der bisexuelle Lebensweisen gesellschaftlich noch häufig unscharf wahrgenommen oder vorschnell eingeordnet wurden, besaß diese Differenzierung ein eigenes Gewicht.
Partys, Seminare und überregionale Treffen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Veranstaltungen mit stärkerem Begegnungs- und Vernetzungscharakter. Die monatliche Uferlos-Party im SchuLZ wurde als niedrigschwelliges Kontakt- und Informationsangebot für Bisexuelle und Freundinnen verstanden und zog nach dem Bericht etwa 150 bis 180 Teilnehmerinnen an. Darüber hinaus beteiligte sich der Verein an überregionalen Wochenendseminaren und Treffen, etwa im Juni bei einem Seminar des Bisexuellen Netzwerks BiNe e.V. sowie im August bei einem bundesweiten Treffen für bisexuelle Frauen. Ende Oktober wurde zudem erneut ein offenes Wochenendtreffen der Kölner Bi-Gruppe organisiert. Der Bericht zeigte damit eine Arbeit, die sich nicht auf die eigene Stadt beschränkte, sondern sich in die größere Bewegung bisexueller Selbstorganisation einfügte.
Selbsthilfe, Beratung und persönliche Unterstützung
Neben der Gruppen- und Veranstaltungsarbeit nahm die unmittelbare Unterstützung einzelner Menschen einen festen Platz ein. Der Verein bot Information und Beratung für bisexuelle Menschen persönlich, telefonisch und per E-Mail an und vermittelte bei Bedarf professionelle psychologische Hilfe. Damit ging Uferlos über bloße Öffentlichkeitsarbeit hinaus und wurde zu einer konkreten Anlaufstelle in persönlichen Krisen- und Orientierungsphasen. Der Bericht läßt erkennen, daß bisexuelle Selbsthilfe hier nicht nur als politisches oder identitätspolitisches Projekt verstanden wurde, sondern als praktische Sorge um Lebenslagen, in denen Orientierung, Entlastung und Anerkennung notwendig waren.
Selbstverwaltung und organisatorische Festigung
Auch die innere Stabilisierung des Vereins trat deutlich hervor. Am 27. Januar fand die Mitgliederversammlung statt; daneben gab es unregelmäßige Treffen von Vorstand und aktiven Mitgliedern. Der Verein schloss eine neue Haftpflichtversicherung ab und erreichte am 4. Dezember nach mehrfachem Kontakt mit dem Finanzamt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Zugleich wurde bereits das 15-jährige Jubiläum der Kölner Bi-Gruppe für Februar 2001 vorbereitet. Diese Angaben zeigten, daß die Arbeit nicht nur von inhaltlicher, sondern auch von rechtlicher und organisatorischer Verantwortung getragen wurde. Gerade die Gemeinnützigkeit verlieh der Gruppe einen weiteren institutionellen Rahmen und stärkte ihre öffentliche Legitimation.
Öffentlichkeitsarbeit und Selbstrepräsentation
Ein eigener Abschnitt des Berichts war der Öffentlichkeitsarbeit gewidmet. Der Verein ließ den Flyer neu drucken, erweiterte die Internet-Homepage und produzierte eine neue Postkarte, die in Köln über Citycards und Pickup verteilt wurde. Außerdem veröffentlichte Uferlos regelmäßig Treffpunkte, Veranstaltungen und Ansprechpartnerinnen in Stadtmagazinen, unter anderem durch Kleinanzeigen. Seit Dezember arbeitete zusätzlich eine neue PR-Arbeitsgruppe. All dies deutete darauf hin, daß Sichtbarkeit als politische und soziale Notwendigkeit begriffen wurde: Wer von der Öffentlichkeit übersehen oder mißverstanden wird, muß sich selbst lesbar machen. Der Bericht dokumentierte deshalb nicht nur Kommunikation nach außen, sondern den bewußten Versuch, bisexuelle Existenz im städtischen Raum dauerhaft präsent zu halten.
Aufklärung und politische Positionierung
Zur Aufklärungsarbeit gehörten unter anderem ein monatlicher Informationstisch mit Materialien zu Bisexualität sowie HIV/AIDS auf der Uferlos-Party, ein offenes Treffen für Angehörige bisexueller Menschen am 24. Januar und die Beteiligung an einem Treffen zur Erarbeitung einer sozialpolitischen Stellungnahme anläßlich der sogenannten Homo-Ehe in Berlin Ende Januar. Hinzu kam ein gegenseitiges Informationstreffen mit der Transidentengruppe Köln am 11. Februar sowie ein öffentlicher Vortrag mit dem Titel „Bisexualität – gibt es das überhaupt?“ im Rahmen einer Universitätsveranstaltungsreihe in Duisburg. Der Verein bewegte sich damit zugleich im Feld von Selbsthilfe, Bildung und politischer Artikulation. Es ging nicht nur um Information über Bisexualität, sondern auch um die Frage, wie bisexuelle Perspektiven in gesellschaftliche Debatten eingehen konnten.
CSD, Medienarbeit und öffentliche Präsenz
Besonders sichtbar trat Uferlos zum Christopher Street Day in Köln auf. Am 1. und 2. Juli gab es einen Informationsstand zum Thema Bisexualität, die Beteiligung an einem WDR-Interview sowie die Teilnahme an der Demo mit eigenem Wagen und Fußgruppe. Nach dem Bericht nahmen etwa 60 bis 80 Teilnehmerinnen aus Deutschland und den Niederlanden daran teil. Außerdem wurden Presseinterviews zum 15-jährigen Jubiläum der Kölner Bi-Gruppe vorbereitet und ein Infostand auf dem 29. Evangelischen Kirchentag in Frankfurt für Juni 2001 geplant. Der Bericht zeigt hier eine bemerkenswerte Verbindung von lokaler Verankerung, medienöffentlicher Darstellung und überregionaler Vernetzung. Bisexualität erschien nicht als Randthema, sondern als Teil einer selbstbewußten öffentlichen Gegenwart.
Vernetzung im Inland und im Ausland
Der Bericht hob die kontinuierliche Mitarbeit im Bisexuellen Netzwerk BiNe e.V. hervor, insbesondere in der Öffentlichkeitsarbeit über die Zeitschrift BiJou, den Infobrief, die Homepage und die Mailingliste. Zugleich organisierte Uferlos im Rahmen des CSD ein bundesweites Treffen für Bisexuelle aus anderen Lokalgruppen. Über Köln hinaus bestanden auch Beziehungen zu anderen lokalen und internationalen Akteurinnen: zur Mitgliedschaft bei Emanzipation e.V. und dem SchuLZ, zur Deutschen Aidshilfe Köln, zur KISS sowie zu bisexuellen Vereinigungen in den Niederlanden und in Paris. Es wurde zudem an einem Workshop für die Europäische Bi-Konferenz 2001 in Rotterdam gearbeitet. Diese Vernetzung machte deutlich, daß die Gruppe in ein größeres Geflecht von Selbsthilfe, politischer Emanzipation und transnationalem Austausch eingebunden war.
Schlußbetrachtung
In der Gesamtschau erschien der Tätigkeitsbericht als Zeugnis einer Arbeit, die in ihrer Konsequenz weit über das Organisieren einzelner Termine hinausging. Uferlos verband Gespräch, Beratung, politische Positionierung, Öffentlichkeitsarbeit und internationale Vernetzung zu einer Praxis, in der bisexuelle Menschen nicht nur Gelegenheit zum Austausch fanden, sondern auch eine Form kollektiver Sichtbarkeit. Der Bericht aus dem Jahr 2000 zeigte damit eine Bewegung, die ihre eigene gesellschaftliche Wirklichkeit ernst nahm und sie zugleich beharrlich in die öffentliche Ordnung einzuschreiben suchte. Das war keine laute, sondern eine beständige und sorgfältig aufgebaute Arbeit an Anerkennung, Orientierung und gemeinsamer Sprache.
Hinweis
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letzte Bearbeitung: 30.04.2026
