Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
902
Kategorie
Quelle
Ulrike Heller
Veranstalter
Datenstand dieser Publikation
01.07.1999
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
27.05.2026
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
09.06.2026
Archiviertes Format
Stichworte
#1999 #Bi-Bewegung #BiNe e.V. #Deutschland #Europäische Union #Fohrde #Konzeptseminar #Land Brandenburg #Selbstorganisation #Ulrike Heller- Sammlung #VereinEinladung zum BiNe- Konzeptseminar vom 03.09. - 05.09.1999

Das Einladungsschreiben des Bisexuellen Netzwerks e.V. (BiNe) vom 1. Juli 1999 an einen Aktivisten zur Teilnahme an einem internen Konzeptseminar in Fohrde (Brandenburg) gibt Einblick in Themen, Strukturen und das Selbstverständnis der bisexuellen Community-Organisation am Ende der 1990er Jahre. Es verweist insbesondere auf Fragen der politischen Positionierung, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sowie auf interne Herausforderungen wie die Belastung durch Aktivismus und die Weiterentwicklung organisatorischer Strukturen.
Zugleich läßt sich das Dokument als internes Organisationsschreiben eines zivilgesellschaftlichen Netzwerks einordnen, das sich in dieser Zeit mit Fragen bisexueller Identität, politischer Sichtbarkeit und struktureller Selbstorganisation auseinandersetzte. Es zeigt eine Phase, in der die Bewegung sowohl nach außen – durch Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen – als auch nach innen – durch Reflexion ihrer Arbeitsweisen und Belastungen – orientiert war.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Es ist eine seltene Momentaufnahme der Selbstorganisation bisexueller Aktivist*innen in Deutschland Ende der 1990er Jahre und macht sowohl inhaltliche Schwerpunkte als auch interne Herausforderungen sichtbar. Es trägt damit zum Verständnis der historischen Entwicklung bisexueller Netzwerke und ihrer politischen sowie sozialen Positionierung bei.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Inhalte und thematische Ausrichtung des Seminars
Im Zentrum des Schreibens stand die Ankündigung eines mehrtägigen Treffens, das sich ausdrücklich an aktive Mitglieder des Netzwerks richtete. Die inhaltliche Ausgestaltung wurde durch eine Liste von Themenvorschlägen umrissen, die sowohl organisatorische als auch politische und gesellschaftliche Fragestellungen umfaßten. Dazu gehörten interne Arbeitsbereiche wie Seminarorganisation und Redaktion, ebenso wie technische Aspekte, etwa die Nutzung des Internets. Darüber hinaus wurden Fragen der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, insbesondere mit dem LSVD, sowie Themen wie Transidentität und internationale Vernetzung aufgeführt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der öffentlichen Sichtbarkeit und politischen Selbstverortung der bisexuellen Bewegung. Diskutiert werden sollten Formen der Darstellung in der Öffentlichkeit, Strategien zur Verknüpfung mit anderen Gruppen sowie das politische Bewußtsein innerhalb des Netzwerks. Gleichzeitig wurden interne Herausforderungen thematisiert, etwa der Umgang mit Überlastung und Burnout unter Aktivistinnen und Aktivisten. Auch gesundheitsbezogene Aufklärungsarbeit, insbesondere im Zusammenhang mit HIV, wurde als Arbeitsfeld benannt.
Organisatorische Rahmenbedingungen
Das Schreiben enthielt konkrete Hinweise zur Organisation der Veranstaltung. Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Anreise sollten durch eine übergeordnete Stelle übernommen werden, sofern sie sich in einem angemessenen Rahmen bewegten. Gleichzeitig wurde auf eine begrenzte Teilnehmerzahl hingewiesen, wodurch eine frühzeitige Anmeldung erforderlich erschien. Ein beigefügtes Formular diente der verbindlichen Rückmeldung bis Ende Juli 1999.
Zur weiteren Kommunikation wurden konkrete Ansprechpartner mit Telefonnummern genannt, was auf eine direkte und persönliche Organisationsstruktur schließen läßt. Die Einladung selbst war in einem informellen Ton gehalten, der Nähe und Zugehörigkeit innerhalb des Netzwerks betonte.
Bemerkenswert ist die thematische Breite: Neben klassischen Vereins- und Organisationsfragen treten gesellschaftspolitische Anliegen, gesundheitliche Aufklärung sowie Fragen der Identitätspolitik gleichberechtigt auf. Dies verweist auf ein Verständnis von Aktivismus, das nicht nur auf politische Forderungen abzielt, sondern zugleich soziale, kulturelle und individuelle Dimensionen berücksichtigt.
Das Schreiben dokumentiert damit eine konkrete Momentaufnahme der bisexuellen Selbstorganisation in Deutschland, in der sich strukturelle Professionalisierung, politische Positionierung und gemeinschaftliche Selbstvergewisserung miteinander verschränkten.
Hinweis
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte von Archivalien nicht mehr dem heutigen Wissensstand oder der aktuellen Rechtslage entsprechen könnten.
letzte Bearbeitung: 09.06.2026
