Bi(-/+)Archiv
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Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit
Buch: Essay, Sachbuch, ArchivID: 909
Über Sexualforschung und Politik
Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit“ von Volkmar Sigusch ist eine Sammlung sexualwissenschaftlicher Essays, in denen die Entwicklung von Sexualität in modernen Gesellschaften historisch und theoretisch analysiert wird. Sigusch beschreibt Sexualität als gesellschaftlich geprägtes und wandelbares Phänomen und untersucht, wie sich Vorstellungen von Normalität, Moral und Identität im Zuge sexueller Reformen und gesellschaftlicher Umbrüche verändert haben. Ein Schwerpunkt liegt auf der kritischen Bilanz der sexuellen Revolutionen des 20. Jahrhunderts sowie der Frage, inwiefern sexuelle Freiheit tatsächlich erreicht wurde oder durch neue Formen sozialer Normierung begrenzt bleibt.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Das Buch liefert keine direkte Theorie der Bisexualität, aber einen theoretischen Rahmen, der bi+ stark unterstützt:
- Sexualität ist fluid, historisch und sozial konstruiert
- binäre Kategorien sind unzureichend
- neue Formen wie Bisexualität zeigen den Wandel des Systems
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Sigusch untersucht, was „sexuelle Freiheit“ historisch bedeutet und warum sie trotz mehrerer sexueller Revolutionen bis heute unvollständig bleibt.
Grundannahme: Sexualität ist kein stabiles System
Sigusch beschreibt Sexualität als historisch wandelbares, gesellschaftlich produziertes Phänomen. Es gibt keine „natürliche“, feste Ordnung von Begehren, sondern:
- Kategorien entstehen durch Wissenschaft, Politik und Kultur
- „Normalität“ wird sozial hergestellt und verändert sich
Bisexualität ist keine Abweichung, sondern ein Ausdruck dieser grundsätzlichen Offenheit von Sexualität.
Diese Perspektive zieht sich durch das ganze Buch und ist zentral für seine Kritik an festen Identitätskategorien.
„Neosexualitäten“ als Schlüsselbegriff
Sigusch ordnet Bisexualität in das Konzept der „Neosexualitäten“ ein:
'Gibt es Bisexuelle tatsächlich?'
- dazu gehören u. a. Bi-, Trans-, Asexualität
- sie entstehen in einer Phase, in der alte Normen aufbrechen
- sie zeigen, daß Sexualität plural und differenziert wird
Wichtig dabei:
- Er versteht diese nicht primär als Identitätspolitik
- sondern als Symptom eines Strukturwandels von Sexualität insgesamt
Kritik an binären Ordnungssystemen
Ein zentraler Punkt (auch wenn nicht immer explizit auf Bisexualität bezogen):
- klassische Kategorien wie hetero / homo sind vereinfachende Konstruktionen
- reale sexuelle Praxis ist deutlich komplexer
- Menschen bewegen sich faktisch oft zwischen Kategorien
Dies deckt sich direkt mit bi+ Erfahrungsrealitäten:
- Mehrfachorientierung
- situatives Begehren
- keine eindeutige Zuordnung
Sigusch liefert hier eher die theoretische Legitimation für bi+ Perspektiven, ohne sie explizit auszubuchstabieren.
Ambivalenz von „sexueller Freiheit“
Ein wichtiger, oft übersehener Punkt:
- Trotz sexueller Revolutionen bleibt laut Sigusch ein „sexuelles Elend“ bestehen
- Freiheit wird gleichzeitig:
- erweitert (mehr Möglichkeiten)
- und begrenzt (durch neue Normen, Märkte, Erwartungen)
- Mehr Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Akzeptanz
- neue Kategorien können auch wieder normierend wirken
- bi+ kann dadurch gleichzeitig sichtbarer und unsichtbarer werden (z. B. durch Einordnung in homo/hetero Raster)
Gesellschaftlicher Druck und Anpassung
Sigusch zeigt durchgehend:
- Sexualität ist stark von sozialen Zwängen geprägt
- Beziehungen und Identitäten entstehen nicht „frei“, sondern:
- unter ökonomischen
- kulturellen
- moralischen Bedingungen
- Wechsel oder Parallelität von Beziehungen (verschiedene Geschlechter) sind nicht einfach „individuelle Entscheidungen“, sondern:
- oft Reaktionen auf soziale Erwartungen
- das erklärt typische bi+ Biografien ohne sie zu pathologisieren
Hinweis
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte von Archivalien nicht mehr dem heutigen Wissensstand oder der aktuellen Rechtslage entsprechen könnten.
ArchivID
909
Kategorie
Ursprungsland
Bundesrepublik Deutschland (BRD)
Sprache
Deutsch
Jahr
2011
Seiten
294
Auflage
1
ISBN-13
Autor* / Autorin*
Prof. Dr. med. Volkmar Sigusch
Verlag
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
20.06.2026
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
15.07.2026
Archiviertes Format
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Stichworte
#2011 #AIDS #Emanzipation #Gender #Heteronormativität #Identität #Moral #Neosexualitäten #Politik #Sexualforschung #Sexualgeschichte #Sexualität #Sexualnorm #Sexualwissenschaft #Sexuelle Revolutionletzte Bearbeitung: 21.06.2026
