Bi(-/+)Archiv
Broschüren, Studien, Flyer, Photo's, Zeitschriften, Filme, Bücher zum Thema Bisexualität / Multisexualität.
ArchivID
919
Kategorie
Ursprungsland
Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Sprache
Deutsch
Jahr
2006
Darsteller* / Darstellerin*
Sharon Stone
Im Bi(-/+) Archiv seit dem
09.09.2026
Im Bi(-/+) Archiv veröffentlicht
10.09.2026
Archiviertes Format
Basic Instinct 2

Basic Instinct 2 setzt die Geschichte der Schriftstellerin Catherine Tramell fort, die erneut von Sharon Stone gespielt wird. Während Catherine im ersten Film in San Francisco in einen Mordfall verwickelt war, lebt sie nun in London. Gleich zu Beginn gerät sie in einen Todesfall: Während einer riskanten Autofahrt hat sie Sex mit dem Fußballspieler Kevin Franks. Der Wagen stürzt in die Themse, Franks ertrinkt, Catherine überlebt. Die Polizei kann ihr jedoch keine eindeutige Schuld nachweisen.
Daraufhin wird der Psychiater Dr. Michael Glass mit Catherine konfrontiert. Er soll ihre psychische Verfassung beurteilen und sie im weiteren Verlauf betreuen. Catherine beginnt, ihn gezielt zu provozieren und sexuell zu manipulieren. Zwischen beiden entwickelt sich eine sexuelle Beziehung, während in Glass' Umfeld mehrere Menschen unter zunehmend rätselhaften Umständen sterben. Catherine gerät erneut unter Mordverdacht, gleichzeitig wird jedoch immer wieder die Möglichkeit offengelassen, daß ihre Gegenspieler selbst in die Ereignisse verstrickt sind.
Relevanz
Weshalb im Bi(-/+)Archiv?! Wo ist der Bezug zur Bisexualität / Multisexualität?Der Film sollte nicht als eigenständiger Beleg für eine differenzierte oder positive Darstellung von Bisexualität gewertet werden. Sein besonderer archivischer Wert liegt vielmehr darin, die Veränderung einer bereits etablierten bisexuellen Figur über einen Zeitraum von 14 Jahren nachvollziehbar zu machen.
Kommentar Bi(-/+) Archiv
Zusätzliche Informationen, Hintergrundwissen, Fakten oder Meinungen zu diesem Archivstück.Catherine Tramell als bisexuelle Figur
Catherine Tramell ist keine neu eingeführte Figur, deren sexuelle Orientierung im zweiten Film erst aus ihrem Verhalten erschlossen werden müßte. Sie ist dieselbe Figur wie im ersten Basic Instinct von 1992. Dort wird ihre Bisexualität ausdrücklich über ihre Beziehungen zu Männern und Frauen dargestellt. Besonders ihre Beziehung zu Roxy sowie ihre frühere Beziehung zu Beth Garner gehören zur Handlung des ersten Films. Damit ist Catherine als bisexuelle Figur bereits vor Basic Instinct 2 etabliert.
Diese Voraussetzung ist für die Einordnung der Fortsetzung wichtig: Basic Instinct 2 erzählt nicht die Geschichte einer Frau, die neu als bisexuell interpretiert werden könnte, sondern setzt eine bereits etablierte bisexuelle Figur fort. Die Bisexualität gehört daher zur Figurenbiografie, auch wenn sie im zweiten Film wesentlich weniger sichtbar wird.
Unterschied zum ersten Teil
Der auffälligste Unterschied zwischen den beiden Filmen liegt gerade in der Darstellung dieser Bisexualität. Im ersten Basic Instinct sind Beziehungen zwischen Catherine und Frauen ein erkennbarer Bestandteil ihrer Charakterisierung. Ihre Sexualität beschränkt sich nicht auf Kontakte zu Männern, sondern wird als Teil ihrer selbstbewußten und provokanten Persönlichkeit dargestellt. Dadurch wird die bisexuelle Orientierung der Figur für das Publikum unmittelbar sichtbar.
In Basic Instinct 2 verschiebt sich der Schwerpunkt dagegen deutlich. Catherine hat weiterhin sexuelle Beziehungen und nutzt ihre Sexualität gezielt als Mittel der Verführung und Manipulation, die Handlung konzentriert sich dabei jedoch fast vollständig auf Männer. Die im ersten Film deutlich vorhandene lesbische bzw. bisexuelle Dimension ihrer Figur tritt weitgehend in den Hintergrund. Die Fortsetzung widerspricht damit zwar nicht der zuvor etablierten Bisexualität Catherines, macht sie aber wesentlich weniger sichtbar.
Gerade dieser Unterschied ist für die Repräsentationsgeschichte interessant. Basic Instinct 2 zeigt nicht einfach eine bisexuelle Figur, wie sie bereits im ersten Film zu sehen war, sondern übernimmt eine solche Figur und reduziert ihre gleichgeschlechtliche Seite in der eigentlichen Handlung erheblich. In der Forschung und queeren Filmanalyse wurde diese Entwicklung unter anderem als bisexual erasure, also als Auslöschung bzw. Unsichtbarmachung der bisexuellen Dimension einer Figur, diskutiert.
Sexualität und Gefahr
Auch in der Fortsetzung bleibt Catherines Sexualität eng mit Gefahr, Macht und Manipulation verbunden. Wie bereits im ersten Film wird sie als sexuell selbstbestimmte und äußerst aktive Frau dargestellt, die ihre Sexualität bewußt einsetzt, um Männer zu beeinflussen. Gleichzeitig steht sie erneut im Zentrum von Mordverdächtigungen. Dadurch bleibt die problematische Verbindung bestehen, die bereits den ersten Basic Instinct geprägt hat: Die bisexuelle Frau wird mit sexueller Grenzüberschreitung, Manipulation und potentieller Gewalt verknüpft.
Der zweite Film übernimmt damit ein bereits etabliertes Bild, entwickelt es jedoch nicht wesentlich weiter. Während der erste Film Catherines Bisexualität wenigstens sichtbar macht, konzentriert sich die Fortsetzung stärker auf die sexuelle Beziehung zwischen Catherine und Michael Glass. Für die Darstellung von Bisexualität bedeutet das eine deutliche Verengung.
Bedeutung für die Darstellung von Bisexualität
Basic Instinct 2 ist deshalb weniger wegen einer eigenständigen Darstellung bisexueller Beziehungen interessant als wegen seiner Beziehung zum ersten Film. Catherine Tramell bleibt eine bisexuelle Figur, doch ihre Bisexualität wird in der Fortsetzung deutlich weniger gezeigt und thematisiert als 1992. Der Film eignet sich damit als Beispiel dafür, daß eine einmal etablierte sexuelle Identität in einer späteren Fortsetzung zwar weiterhin zur Figur gehören kann, innerhalb der eigentlichen Handlung aber nahezu unsichtbar wird.
Im Zusammenhang mit dem ersten Basic Instinct entsteht dadurch ein interessanter Gegensatz: Der erste Film bietet eine der bekanntesten bisexuellen Frauenfiguren des US-amerikanischen Mainstreamkinos der 1990er Jahre, verbindet diese Darstellung allerdings sehr stark mit stereotypen Vorstellungen von sexueller Unersättlichkeit, Verführung, Macht und Gefahr. Der zweite Film übernimmt dieselbe Figur und dieselbe problematische Grundkonstellation, reduziert jedoch gerade den Teil ihrer Sexualität, der sie im ersten Film als bisexuell erkennbar machte.
Einordnung
Für die Geschichte der Bisexualitätsdarstellung ist Basic Instinct 2 daher vor allem im direkten Vergleich mit Basic Instinct von 1992 relevant. Teil 1 dokumentiert die explizite Darstellung einer bisexuellen Frau, allerdings in stark stereotypisierter Form. Teil 2 dokumentiert dagegen die Fortführung derselben Figur, bei der die bisexuelle Dimension weitgehend aus dem sichtbaren Handlungsgeschehen verschwindet.
letzte Bearbeitung: 12.09.2026
